Die Reformation in Zürich

Vor 500 Jahren hat die Bewegung der Reformation die Stadt und Region von Zürich und die Eidgenossenschaft radikal verändert. Anders als in Deutschland, wo Fürsten regierten und die Kirchenpolitik bestimmten, wirkten sich hier vordemokratische Strukturen auf die reformatorische Erneuerungsbewegung aus. 1519 wurde Ulrich Zwingli vom Zürcher Rat als "Leutpriester" (Pfarrer für die einheimischen Gemeindemitglieder und Pilger) an das Grossmünster gewählt. Er war der Zürcher Regierung unterstellt. Zwingli war vorher Leutpriester in Einsiedeln gewesen und hatte 1515 als Feldprediger mit den eidgenössischen "Reisläufern" (Söldner) die Schlacht von Marignano erlebt, in der rund 10 000 Schweizer Söldner umgekommen waren, darunter viele Kindersoldaten.

Zwingli setzte in Zürich von Anfang an Zeichen: gegen das lukrative Geschäft des Söldnertums, den Heiligenkult, den Ablasshandel, die Messe. Er kritisierte die damals praktizierte Religion von der Bibel her. Vom ersten Tag seiner Amtseinführung an hielt er sich beim Predigen nicht an die kirchliche Leseordnung, sondern begann, das ganze Matthäusevangelium in Folge auszulegen. Zwingli fand bald Gleichgesinnte unter den Theologen, aber auch unter Bürgerinnen und Bürgern und in der Regierung. Er stand in Kontakt mit anderen Orten der Eidgenossenschaft, wo die reformatorischen Anliegen ebenfalls auf Interesse stiessen.

Zur Zeit der Reformation war Zürich eine Gemeinde von 7000 Einwohnern - nach der Pest von 1522 waren es noch 5000. Die Kirche besass damals Pfründe und Grundeigentum in- und ausserhalb der Stadt. Auch Abgabenforderungen von Klöstern lasteten auf der Bevölkerung. Die Kirchengebäude wurden immer wieder baulich verändert; hier wurden Reliquien verehrt, es gab kostbare Altäre, Insignien und Messgewänder. Im Laufe der Refomation kam es zwar zu einzelnen Bilderstürmen, aber meist wurden hier die Heiligenbilder und Altäre auf geordnete Weise entfernt. Die Klöster wurden geschlossen, die Gebäude dienten nun anderen Zwecken.

Als Zürich im 19. und um die Wende zum 20. Jahrhundert immer mehr wuchs, wurden viele alte Gebäude abgerissen und ersetzt, häufig in historisierendem Stil. Die Dörfer der Umgebung wurden eingemeindet, und in den neuen Quartieren entstanden reformierte und wegen der Zuwanderung auch wieder katholische Kirchen.