Das Grossmünster

REFORMATION


Reformation (lateinisch reformatio «Wiederherstellung, Erneuerung») bezeichnet im engeren Sinn eine kirchliche Erneuerungsbewegung zwischen 1517 und 1648, die zur Spaltung des westlichen Christentums in verschiedene Konfessionen (katholisch, lutherisch, reformiert) führte.

Anfänge

Die Reformation wurde in Deutschland überwiegend von Martin Luther, in der Schweiz von Huldrych Zwingli und Johannes Calvin angestoßen. Ihr Beginn wird allgemein auf 1517 datiert, als Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll, aber ihre Ursachen und Vorläufer reichen weiter zurück. Als Abschluss wird allgemein der Westfälische Frieden von 1648 betrachtet.

Anfänglich war die Bewegung ein Versuch, die römisch-katholische Kirche zu reformieren. Viele Katholiken in West- und Mitteleuropa waren beunruhigt durch das, was sie als falsche Lehren und Missbrauch innerhalb der Kirche ansahen, besonders in Bezug auf die Ablassbriefe. Ein weiterer Kritikpunkt war die Käuflichkeit kirchlicher Ämter (Simonie), die den gesamten Klerus in den Verdacht der Korruption brachte.

Detailaufnahme von der Türe zum Grossmünster mit Eingravierungen von der Reformation unter Zwingli

Konfessionen

Die Reformbewegung spaltete sich aufgrund unterschiedlicher Lehren in verschiedene protestantische Kirchen auf. Die wichtigsten Konfessionen, die aus der Reformation hervorgingen, sind die Lutheraner und die Reformierten (darunter Calvinisten, Zwinglianer und Presbyterianer). Hinzu kommen die radikal-reformatorischen Täufer. In Ländern außerhalb Deutschlands verlief die Reformation zum Teil ganz anders. So entstand in England der Anglikanismus und in Teilen Osteuropas der Unitarismus. In Ländern, die der römischen Kirche treu blieben, kamen manche Anliegen der Reformation in der Gegenreformation und der katholischen Reform zum Ausdruck.


Reformation in Zürich

Vor 500 Jahren hat die Bewegung der Reformation die Stadt und Region von Zürich und die Eidgenossenschaft radikal verändert. Anders als in Deutschland, wo Fürsten regierten und die Kirchenpolitik bestimmten, wirkten sich hier vordemokratische Strukturen auf die reformatorische Erneuerungsbewegung aus. 1519 wurde Ulrich Zwingli vom Zürcher Rat als «Leutpriester» (Pfarrer für die einheimischen Gemeindemitglieder und Pilger) an das Grossmünster gewählt. Er war der Zürcher Regierung unterstellt. Zwingli war vorher Leutpriester in Einsiedeln gewesen und hatte 1515 als Feldprediger mit den eidgenössischen «Reisläufern» (Söldner) die Schlacht von Marignano erlebt, in der rund 10 000 Schweizer Söldner umgekommen waren, darunter viele Kindersoldaten.

Ulrich Zwingli

Zwingli setzte in Zürich von Anfang an Zeichen: gegen das lukrative Geschäft des Söldnertums, den Heiligenkult, den Ablasshandel, die Messe. Er kritisierte die damals praktizierte Religion von der Bibel her. Vom ersten Tag seiner Amtseinführung an hielt er sich beim Predigen nicht an die kirchliche Leseordnung, sondern begann, das ganze Matthäusevangelium in Folge auszulegen. Zwingli fand bald Gleichgesinnte unter den Theologen, aber auch unter Bürgerinnen und Bürgern und in der Regierung. Er stand in Kontakt mit anderen Orten der Eidgenossenschaft, wo die reformatorischen Anliegen ebenfalls auf Interesse stiessen.

Auswirkungen auf Gebäude

Zur Zeit der Reformation war Zürich eine Gemeinde von 7000 Einwohnern - nach der Pest von 1522 waren es noch 5000. Die Kirche besass damals Pfründe und Grundeigentum in- und ausserhalb der Stadt. Auch Abgabenforderungen von Klöstern lasteten auf der Bevölkerung. Die Kirchengebäude wurden immer wieder baulich verändert; hier wurden Reliquien verehrt, es gab kostbare Altäre, Insignien und Messgewänder. Im Laufe der Refomation kam es zwar zu einzelnen Bilderstürmen, aber meist wurden hier die Heiligenbilder und Altäre auf geordnete Weise entfernt. Die Klöster wurden geschlossen, die Gebäude dienten nun anderen Zwecken.

Als Zürich im 19. und um die Wende zum 20. Jahrhundert immer mehr wuchs, wurden viele alte Gebäude abgerissen und ersetzt, häufig in historisierendem Stil. Die Dörfer der Umgebung wurden eingemeindet, und in den neuen Quartieren entstanden reformierte und wegen der Zuwanderung auch wieder katholische Kirchen.

  

Statue von Ulrich Zwingli


Reformationsjubiläum

2019 jährte sich Zwinglis Amtsantritt am Grossmünster zum 500 Mal. Gemeinhin wird damit der Beginn der Zürcher Reformation verbunden. 2017 waren 500 Jahre seit dem Thesenanschlag von Martin Luther. In dieser Zeit des Reformationsjubiläums fanden u.a. auch im Grossmünster zahlreiche Veranstaltungen statt. Im Archiv Reformationsjubiläum finden Sie den Gesamtüberblick dazu.

ZWISCHENTÖNE DER REFORMATION


Dauerausstellung zur Reformation im Kreuzgang

1679106.07.2021

 

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